Ist Frieden eine Illusion oder unser wahres Wesen?

Einer unserer größten Wünsche - "Frieden"

Über dieses Thema wurden bereits unzählige Bücher geschrieben – zurecht. Frieden ist kein leichtes Thema. Und doch möchte ich mich heute der Frage widmen: Ist Frieden ein Ideal, das wir nie erreichen können – oder liegt er ganz natürlich in uns?

Frieden ist nicht das Gegenteil von Krieg

Wenn wir an Frieden denken, stellen wir ihn oft dem Krieg gegenüber. Doch der wahre Gegenpol ist der Konflikt – Krieg ist lediglich eine seiner extremen Ausdrucksformen.

 

Konflikt wiederum wurzelt in zwei fundamentalen Prinzipien unserer irdischen Existenz: Polarität und Dualität. Und sein Antrieb ist unser emotionales System. Beide Prinzipien wirken subtil in uns und um uns herum – und doch ist der Unterschied entscheidend.

Polarität – das Spiel der Gegensätze

Als physische Wesen leben wir in einer Welt der Polarität. Alles hat zwei Seiten: Einatmen und Ausatmen, Hell und Dunkel, Yin und Yang. Diese Gegensätze bilden gemeinsam ein Ganzes, ergänzen sich und halten sich im Gleichgewicht. In der Polarität geht es um Balance und Ergänzung – nicht um Trennung.

Dualität – die Illusion der Trennung

Die Dualität hingegen gaukelt uns Getrenntheit vor. Sie lässt uns bewerten: gut oder böse, richtig oder falsch, ich oder du. Hier beginnt der eigentliche Konflikt. Wir verlieren das Gefühl der Verbundenheit, meinen kämpfen zu müssen – gegen andere, und damit letztlich gegen uns selbst.

Und genau da liegt der Schlüssel: Jede Ablehnung eines "Gegensatzes" nährt die Dualität. Wenn wir Krieg ablehnen, füttern wir den Konflikt. Wenn wir ihn befürworten, ebenso. In beiden Fällen verlieren wir unsere Mitte – und damit den inneren Frieden.

„Wenn wir uns selbst, unser Bewusstsein, verstehen,

dann verstehen wir auch das Universum und die Getrenntheit verschwindet.“

˜ Amit Goswami

Das Gehirn als Spiegel des inneren Konflikts

Selbst unser Gehirn zeigt diesen Zwiespalt: Die linke Hemisphäre denkt analytisch, trennt, plant – in Zeitkategorien wie Vergangenheit und Zukunft. Die rechte Hemisphäre hingegen ist verbunden, zeitlos, präsent im Jetzt.

Wollen wir nur den Frieden, müssten wir theoretisch den Verstand ausschalten. Doch das ist weder realistisch noch sinnvoll. Die linke Seite ist genauso Teil unserer menschlichen Erfahrung. Frieden entsteht nicht durch Verdrängung, sondern durch bewusste Integration.

Viele Menschen versuchen, sich durch Suchtmittel oder spirituelle Umwege in einen friedlichen Zustand zu versetzen, um den Konflikten im Außen und auch Innen zu entfliehen.  Doch meist ist das nur ein kurzzeitiges Entkommen. Die wahre Herausforderung liegt im Dasein mit beiden Polen – und genau darin besteht unsere Aufgabe als inkarnierte Wesen.

Wo beginnt der Frieden – oder der Konflikt?

Wir neigen dazu, Konflikte im Außen zu „suchen“ – in Beziehungen, in der Politik, im Weltgeschehen. Doch der erste Funke entsteht in uns selbst. Unsere Gedanken, unsere Bewertungen und Urteile, unsere Emotionen sind die Ursprünge jeder größeren Bewegung.

Meiner Beobachtung nach spiegeln auch moderne Phänomene wie der sogenannte „Gender-Wahn“ dies. Er macht uns auf etwas aufmerksam, denn erst im Extrem werden unbewusste Energien leichter sichtbar.

Sie bringen festgefahrene Konzepte ins Wanken, sprengen unsere Verhärtungen und unser starres Denken.

Und doch ist auch das nicht die Lösung – denn jede extreme Abspaltung führt nur zu mehr Trennung, wenn sie nicht zur Verbundenheit zurückführt.

Das wahre Wesen – sichtbar in der Not

In Momenten großer Katastrophen, etwa nach Naturgewalten, zeigt sich oft ein tiefer, bedingungsloser Zusammenhalt. Menschen helfen einander, unabhängig von Herkunft, Religion oder Meinung. Das Trennende fällt ab. Der wahre Kern tritt hervor – unser menschliches Mitgefühl, unser innerstes Wesen.

Ich selbst habe es erfahren, als eine Bombe

nur 100 Meter entfernt explodierte. In solchen Augenblicken zählen keine Unterschiede mehr –

nur das Leben und das Menschsein.

Das darwinistische Weltbild – ein Auslaufmodell?

Die Idee vom „Überleben des Stärkeren“ dient nur dem Konflikt und Kampf. Sie nährt Trennung, Hierarchie, Kontrolle, Manipulation. Die Machthaber, Wirtschaft und Bildung hat sich dies natürlich zu Nutze gemacht. Doch unser evolutionärer Auftrag scheint ein anderer zu sein: das Er-innern an die Verbundenheit. Nicht als Schwäche, sondern als höchste Intelligenz.

Frieden beginnt in dir!

Wo kannst du selbst beginnen?

* Gibt es ein Thema, das du ablehnst, mit dem du Schwierigkeiten hast?

* Eine Person, mit der du im Streit bist?

* Ein innerer Anteil, den du verdrängst?

Selbst scheinbar harmlose Ausdrücke wie „Ich steh damit auf Kriegsfuß“ tragen die Energie des Konflikts. Achte einmal bewusst auf deine Worte – sie gestalten deine innere Welt.

Mit was in dir kannst du Frieden schließen?

Nicht im Sinne von „aufgeben“ oder „klein beigeben“, sondern im Sinne eines tiefen Erkennens: "Dieser Teil in mir sehnt sich nach Heilung".

Vielleicht ist es deine Vergangenheit – Schuld, Scham oder Groll.

Vielleicht ist es ein ungeliebter Aspekt deines Lebens – Krankheit, Trauer, Angst.

Oder ein ständiger innerer Dialog, der dich zerreißt zwischen Entscheidungen.

Erlaube dir, hinzuschauen. Nicht mit Urteil, sondern mit Mitgefühl.

Dialog statt Trennung

Was, wenn du beide Seiten deines inneren Konflikts an einen Tisch setzt? Wenn du sie fragst:

Was willst du? Was brauchst du? Was befürchtest du?

(Genau genommen sitzen in unserem Gehirn sogar 4 verschiedene „Persönlichkeiten“. Der Einfachheit halber reichen vorerst zwei.)

So entsteht ein innerer Raum der Versöhnung. Und dieser Raum wirkt nach außen – in deine Beziehungen, deine Arbeit, dein Umfeld

„Sawubona“ - "Ich sehe dich"

(Zulu-Gruß, wörtl. übersetzt: "Wir sehen dich" / berühmt geworden durch die Na'vi im Film Avatar)

Durch Sawubona sind wir fähig, die Beschaffenheit des jeweils anderen ohne gedanklich Urteile oder Vorurteile wahrzunehmen. Sawubona ist eine Offenheit für die besten Qualitäten in einer Person.

Es versetzt uns in einen Beziehungsraum - einen gemeinsamen Raum - miteinander und mit der Gemeinschaft.*)

Frieden ist kein Ziel. Es ist ein Weg.

Ein Weg des Er-innerns. Der Integration. Der bewussten Entscheidung, nicht zu urteilen – sondern anzuerkennen.

Am Ende erkennen wir: Wir sitzen alle im selben Boot.

Nicht als Gegner, sondern als Mitglieder einer großen Menschenfamilie.

Frieden ist keine Illusion.

Es ist unser natürlicher Zustand – der Zustand der Verbundenheit.


Anmerkungen & Buchtipps

*) "The Bond, Die Wissenschaft der Verbundenheit", Lynne McTaggart; Orland Bishop hat dies als "Werkzeug" von seinen Reisen mitgebracht; er ist Gründer und Leiter der ShadeTree Multicultural Foundation in Los Angeles , wo er Pionierarbeit für Ansätze zum städtischen Frieden und zur Betreuung gefährdeter Jugendlicher leistet, die neue Ideen mit traditionellen Wissenswegen verbinden.

Braden, Gregg: Im Einklang mit der göttlichen Matrix

McTaggart, Lynne: The Bond, Die Wissenschaft der Verbundenheit

Taylor, Dr. Jill Bolte: Gehirn(hoch)4, Wie die Entdeckung der 4 Dimensionen des Gehirns uns zu freien Menschen macht

Weiterer Beitrag, passend zu diesem Thema:

🔗 Wie innerer Frieden die Welt verändert


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