Eine Reise durch Selbsterkenntnis und Schattenspiel
Licht wirkt verheißungsvoll – wir verbinden es mit Klarheit, Wärme, Sicherheit und Hoffnung.
Doch Licht gibt es nur im Doppelpack - gemeinsam mit dem Schatten.
Wer sich auf den Weg der Selbsterkenntnis begibt, begegnet unweigerlich beidem: den strahlenden Versprechungen wie auch den dunklen Begleitern, die uns oft unvorbereitet überraschen.
Dieser Beitrag lädt dazu ein, die eigene Lebensreise als Abenteuer zwischen Licht und Schatten zu betrachten.
„Wo viel Licht ist, ist starker Schatten."
˜ Johann Wolfgang von Goethe
Licht und Dunkel - Zwei Seiten einer Wahrheit
Was bedeutet das überhaupt?
Aus dem Blickwinkel unseres Sehsinnes: wenn wir aus der Dunkelheit plötzlich ins Licht treten, kann uns dieses blenden und wir sind versucht, uns vor diesem strahlenden Licht zu schützen. Wir verdunkeln unsere Augen eventuell mit der Sonnenbrille oder flüchten gleich in einen abgedunkelten Raum.
Umgekehrt, wenn wir aus einem grellen Licht in die Dunkelheit treten, so meinen wir, nichts sehen, nichts erkennen zu können. Es kann uns verwirren oder sogar ängstigen. Erst nach einer Weile, wenn sich die Augen an die Dunkelheit gewöhnt haben, können wir immer mehr Umrisse wahrnehmen.

Worauf will ich hinaus?
Also ... dann möchte ich mal versuchen, etwas Licht ins Dunkel zu bringen ...
Die Verlockung des Lichts – und seine Verheißungen

Wenn wir uns auf den Weg der Selbsterkenntnis machen oder zumindest dem Sinn des Lebens auf die Spur kommen oder endlich unseren frustrierenden Alltagskämpfen entkommen wollen, so sind wir meist geneigt, all den schönen, lichtvollen Verheißungen der bereits „bewussten“ und spirituellen Menschen da draußen zu folgen. Möchten sie uns doch, wohlgemeint natürlich (lass uns einfach mal davon ausgehen), motivieren, uns mit unserem Herzen zu verbinden, denn dieses kennt ja den wahren Weg.
Oder er-innern uns an unseren „göttlichen“ Ursprung, zeigen uns "Reinigungsrituale" für unsere Gedanken und Emotionen, um uns letztendlich in eine höhere Schwingung zu bringen, damit sich dadurch auch unser Leben, unser Umfeld, unsere Beziehungen entsprechend synchronisieren können und wir um uns den Garten Eden auf Erden kreieren und vorfinden.
Nach dem Motto „lasst uns gemeinsam das Licht in diese Welt bringen“ (achte auf diverse Motivationen und Versprechungen) ist man dann verleitet, einem größeren „Bild“ zu folgen.
Wenn der Schatten deinen Namen ruft
Was man dir vielleicht am Anfang verheimlicht (bewusst oder unbewusst) oder du gar nicht wahrnimmst oder wahrnehmen möchtest, ist, dass es das Licht nicht ohne Schatten gibt. Dieser folgt dir nämlich auf dem Fuße.
Was uns natürlich verwirren kann. Anfangs vor allem. Denn jetzt, wo wir uns doch endlich durchgerungen haben, uns auf was Neues einzulassen, nämlich den lichtvollen Weg zu gehen, mit dem Wunsch, dadurch den „Dämonen“ (= Problemen, Dramen) des Lebens zu entkommen, die uns vorher in einer Höhle (Hölle) gefangen hielten (= Familie, Alltag, Beziehungen, Job, ...), würden wir das nicht erwarten und schon gar nicht erhoffen.

Zurück in die Höhle – oder weitergehen?
Dann kann es passieren, dass wir geneigt sind, diesem strahlenden Lichtweg und dem, was er uns verheißt, den Rücken zu kehren. Denn, so scheint es, ist auch das nicht die Lösung für unser Lebens-Drama, es funktioniert nicht wie erwartet. Manche beziehen dann sogar die andere Stellung, aus der heraus sie nun das Lichtvolle und all die "Lichtarbeitenden", die spirituell "Erleuchteten", die Bewusstseins-Lehrer und -Meister anprangern, verteufeln, verurteilen, beschuldigen, verleumden usw. Denn sie waren ja schließlich ihre Hoffnungsträger.
Was bleibt dir nun anderes übrig, als wieder auf deinen ursprünglichen Weg zurückzukehren, in deine gewohnte "Höhle", die du kennst und die dir vertraut ist.
Es scheint, als würde Platons Höhlengleichnis grüßen lassen.
„Die Bluthunde des Karmas sind uns wahrhaftig auf den Fersen.
Sie bringen uns jedoch allein jenen Gegenstand hinterher, den wir einst fortwarfen.
Und so sehr wir auch vor ihnen auf der Flucht sind,
irgendwann legen sie uns diesen Gegenstand vor die Füße."
˜ Mária Szepes *)
Wenn du jetzt meinst, dass ich diese Situation ein wenig „dramatisiere“, so kann das durchaus sein. Natürlich gibt es Variationen davon.
Letztendlich soll es einfach etwas darstellen, nämlich dass dieser Flucht-Weg aus einem frustrierenden, unzufriedenen Leben in ein licht- und freudvolleres Dasein nicht einfach wie ein Umzug von einer zu klein gewordenen Wohnung in eine große Villa mit Garten ist. Du wagst einen ersten Schritt in einen neuen "Lebensprozess".
Deine Wegbegleiter
Wenn du dich nun doch entschieden hast, den Licht-Weg zu beschreiten, so tust du gut daran, Achtsamkeit, Verantwortung und Ehrlichkeit - dir selbst gegenüber - als deine Begleiter zu ernennen, denn die Schattengestalten, wie C. G. Jung das Unbewusste, das Verdrängte nannte, erwarten dich schon ungeduldig am Wegesrand. Sie wollen von dir auf die Reise mitgenommen werden, andernfalls hängen sie sich einfach an dich dran als „blinde Passagiere“.
„Wer zugleich seinen Schatten und sein Licht wahrnimmt,
sieht sich von zwei Seiten und damit kommt er in die Mitte."
˜ Carl Gustav Jung

Stellvertretend für deine „ungeliebten“ oder „verstoßenen“ (Persönlichkeits-)Anteile können in deinem Leben nun Menschen, Beziehungen, Krankheiten, Unverträglichkeiten, Unfälle u.v.m. agieren. Oder sie können auch Namen tragen wie Angst, Neid, Gier, das Böse, das Hässliche, das Altwerden u. dgl.
Sie alle er-scheinen nun im Licht, damit du sie endlich wahr-nimmst und deiner „Ganz-werdung“ zuführen kannst.
Es schleichen sich gerne auch immer wieder Gedanken ein, die dir zuflüstern, ob es denn nicht doch besser, einfacher und bequemer wäre, sich in einem „bewölkten“ Leben aufzuhalten, wo die Schattenspiele weiterhin schön verborgen, so glaubt man, bleiben.
Für alle, die das nicht möchten - nun, dann geht es jetzt an die Arbeit oder ins Abenteuer.
Oder wie ich es auch gerne bezeichne - staunend und fasziniert das Menschsein erforschen.
"Reise-Tipps" für Suchende
Auch wenn du all den Glück und Licht verheißenden Reden und Weisheiten der „Licht-Vorbilder“, Meister und Gurus lauschst und in dir der Wunsch aufkommt, auch so sein zu wollen, auch schon so weit zu sein wie sie, dann kann es sein, dass du geradewegs in eine Falle läufst.
Denn Bewusstseinsarbeit ist kein „Tun“ im herkömmlichen Sinne, wie „ab jetzt werde ich nur positiv denken, ich unterstütze Schwache und Schutzbedürftige, ich trenne Müll, etc.“.
Und es gibt auch nichts zu „Erreichen“. All dies sind Auswüchse des Egos (oder nenne es Verstand, Wille, Siegen-wollen, Wachsen-wollen, Bessersein-wollen usw.).

Ich möchte betonen, dass ich das Ego nicht als böse oder schlecht bewerte. Wir benötigen das Ego. Nicht nur als Antrieb, morgens aufzustehen. Ich sehe es auch als "Selbst-Erkenntnis-Barometer", der uns anzeigen kann, wer oder was jetzt die Kontrolle über mein Leben haben möchte, mich antreibt und unter Druck setzt.
Wenn ich es erkenne, kann ich es zum Gefährten machen und nicht zum "Sklaven-Treiber".
Die Reiseroute

Die Reise kann aus folgenden Routen bestehen:
von der Verdrängung zur Erkenntnis
vom Nicht-Wahrhaben-wollen zur Wahrnehmung
vom „Nicht-sehen-wollen“ zur An-erkennung
vom „Schön-reden“ zur Wahrheit
In jedem Fall ist es ein Weg der zum "Sein" wird.
Wie eine Wunde, die schmerzt und erst viel später, nachdem sie schon verheilt ist, merkst du, dass der Schmerz schon lange nicht mehr da war.
Oder vergleichbar auch mit einer Erstverschlimmerung bei der Homöopathie. Zuerst muss der ganze Schmerz an der Oberfläche sicht- bzw. spürbar werden, damit das Mittel mit der Heilung ansetzen kann. Denn sonst wäre es wieder nichts anderes als „Kosmetik“ und Verdrängung.
„Man muss durch die Nacht wandern, wenn man die Morgenröte sehen will."
˜ Khalil Gibran
Wo befindet sich das Ziel?
Die Licht- oder Bewusstseinsarbeit führt dich immer wieder durch Schattenbereiche (vorausgesetzt du möchtest wahrhaftig zur Erkenntnis gelangen und dir nicht nur einen schönen „Außenanstrich“ verpassen in Form von „schau, ich mache jetzt auch Bewusstseinsarbeit“, „ich bin ein spiritueller Mensch", "ich glaube an ...“).
Und wann kommt endlich das Ziel, drängt es dich vielleicht zu fragen.
Nun, bei dieser Reise gibt es kein Ziel, keine Ziellinie, es wartet auch kein Podest mit einem Pokal auf dich.


Jedoch kannst du "wunder-volle" oder "magische" Entdeckungen machen - nämlich, dass Schatten nicht das sind, wie sie "scheinen", sondern "Schätze" beherbergen, die dein Leben bereichern.
Moment mal!
Diese Reise ist ja dein Leben - ein lebenslanges Abenteuer!
Deine "Schauspiel-Kollegen"
Du bist nicht allein in diesem Abenteuer. Auch jede Unterstützung, die du dir zur Seite nimmst - in der Rolle als Therapeut, Mentor, Coach, Trainer, Speaker, Meister, Guru, als Astrologe oder Human Design-Reader, als Hellseher, Wahrsager, Kartenleger und welche Rollen es noch gibt - für sie bist auch du ein „Schatten“-Stellvertreter so wie sie deine sind.
Sie vermögen es nur einfach, dir über deren Methoden Symbole und die Energiesprache des Lebens zu übersetzen. Wobei auch diese Übersetzungen nur Hinweise oder Möglichkeiten darstellen und nicht als eine für dich gedachte einzige Wahrheit.
"Ver-falle" nicht in die Erwartung, dass jemand anders DIE Antwort für dich hat. Denn dann bist du in der „Symptom-Bekämpfung“, du erwartest eine Diagnose (von einer "anderen" Person) und die entsprechende Lösung.
Auf deinem Weg sammelst du "Puzzle-Teile," die dich deinem „Lebens-Bild“ näherbringen können.

Fragen, die den Schatten beleuchten
Abschließend noch kleine Hinweise zur Entlarvung mancher „ausgestoßener“ Schatten-Persönlichkeiten:
👉🏻 Auf wen zeigst du mit dem Finger?
👉🏻 Wer oder was triggert dich?
👉🏻 Wer oder was löst welche Emotionen in dir aus?
👉🏻 Welche Bewertungen, Ver- oder Be-urteilungen pflastern dein Denken, deine Beziehungen, deinen Alltag?
Dein Reisegepäck

Ganz gleich, auf welchem Zwischenstopp deiner Reiseroute du dich befindest, anerkenne deinen Mut, überhaupt diese Lebensreise angetreten zu haben.
Du bist ein wert-voller Anteil des gesamten Schauspiels „Menschsein“.
Von Geburt an bist du mit einem Potenzial im "Gepäck" ausgestattet, welches nur dich befähigt, deine "Heraus-forderungen" zu meistern.
Und er-innere dich an deinen "Betriebsmodus" - Freude und Humor.
Anmerkungen
*) Aus dem Buch "Drehbuch des Lebens", Peter Orban, Ingrid Zinnel:
Mária Szepes, Journalistin und Drehbuchautorin; freie Schriftstellerin vor allem im Bereich der hermetischen Philosophie
Ungeskriptet und frei von der Leber weg sozusagen, entstand auch ein Video passend zu diesem Thema:
Weitere Blog-Beiträge
findest du in den beiden Kategorien:
Was möchtest du mir gerne mitteilen?
Dein Feedback zum Blog-Beitrag?
Deine Frage?
Deinen Wunsch-Beitrag?
Was möchtest du mir gerne mitteilen?
Dein Feedback zum Blog-Beitrag?
Deine Frage?
Deinen Wunsch-Beitrag?