Grosse kollektive Kräfte und wie wir damit umgehen
Wir befinden uns nun schon länger, also inmitten einer Phase tiefgreifender Veränderungen – nicht nur gesellschaftlich oder politisch, sondern auch auf einer subtilen, energetischen Ebene. Langsamlaufende Planeten wie Saturn, Neptun, Pluto oder Uranus wirken nicht kurzfristig und unmittelbar. Sie prägen vielmehr kollektive Entwicklungsprozesse, die sich über längere Zeiträume ihren Ausdruck suchen.
In dieser Vorschau für Oktober 2025 möchte ich zwei dieser großen Kräfte herausgreifen – Saturn und Neptun. Ihre Energien formen die nächsten Monate (oder auch Jahre) mit, und sie tun es auf sehr unterschiedliche, jedoch ergänzende Weise: Saturn als der Hüter der Gesetze, der uns in die Tiefe unserer emotionalen Reife führt. Und Neptun als Repräsentant der allumfassenden Liebe, der uns an eine Welt des Unbekannten erinnert.
Saturn in Tor 36 - Die emotionale Feuerprobe
Seit 24. September 2025 und bis 27. Jänner 2026 durchwandert Saturn das Tor 36 im Zeichen Fische. Dieses Tor, im Human Design als "Verfinsterung des Lichts" oder auch als „Dunkle Nacht der Seele“ bekannt, befindet sich im Solarplexus und steht für emotionale Krisen, für Aufgewühltheit, Nervosität, Gereiztheit.
Hier zeigt sich Saturn als das, was er im Kern ist: der Meister des Karmas oder der Konsequenzen, der uns mit Grenzen, Struktur, Disziplin und Verantwortung konfrontiert. Sein Auftrag ist nicht, uns zu bestrafen, sondern uns zu prüfen – und dadurch wachsen zu lassen.
„In der Mitte jeder Schwierigkeit liegt die Möglichkeit."
˜ Albert Einstein
Tor 36 stellt dabei ein ganz besonderes Feld zur Verfügung: emotionale Reifung durch Erfahrung. Es drängt uns, Neues zu erleben, selbst wenn diese Erfahrungen von Angst, Unruhe oder Nervosität begleitet sind. Besonders deutlich wird dies in unseren Beziehungen, wo Emotionen oft ungebremst und unberechenbar an die Oberfläche treten.
Wenn Emotion zur Prüfung wird
Erlebst du dich vielleicht selbst gerade gereizt oder nervös, was du so gar nicht kennst oder beobachtest du es vermehrt im Umfeld?
Emotionale Krisen können durch große Veränderungen auftreten oder auch, wenn jemand sich gegen Veränderung sperrt.
In der Saturn-Energie kann sich eine Krise auch über längere Zeit ziehen – und wenn kein Fortschritt erkennbar ist, kann es leicht ein Gefühl von Sinnlosigkeit auslösen. Größere Veränderungen führen zu neuen Erfahrungen und umgekehrt. Dies kann auch durch einen Todesfall in der Familie ausgelöst werden und selbst scheinbar banale Umstände, denen man "unfreiwillig" ausgesetzt wird, erfordern plötzlich eine Umorganisation im Alltag. Du bist vielleicht gewohnt, täglich mit der Bahn ins Büro zu fahren und dann wird die Strecke wegen Bauarbeiten gesperrt.
Von vielen Seiten hört man auch, dass eine Firma umstrukturiert wird. Auch dies kann unterschiedliche Emotionen und Unsicherheiten auslösen, die sich dann in eine Krise verwandeln.
Wege des Umgangs mit dieser Energie

* Triff keine Entscheidungen im Sturm. In emotionaler Aufgewühltheit fehlt uns oft der klare Blick.
* Beobachte die Welle. Wenn du spürst, dass sich Emotionen aufbauen, zieh dich kurz zurück, bevor sie unkontrolliert ausbrechen.
* Erkenne Gereiztheit als Signal. Sie fordert dich zum Innehalten auf und/oder klare Grenzen zu setzen.
Krise als Chance zur Meisterschaft
Saturn lädt uns ein, durch die Krise hindurchzugehen – nicht als Opfer unserer Emotionen, sondern als ihre Meister. So kann sie zum Katalysator für innere Reife werden. Denn jede Krise, so unangenehm sie ist, birgt auch das Potenzial für etwas Neues, das bisher an unserem Widerstand gescheitert ist.
Neptun in Tor 25 - Das "unbekannte" Selbst

Neptun bewegt sich noch bis 22. Mai 2026 durch das Tor 25 im Übergang von Fische zu Widder, und davon bis Mitte Februar 2026 in der Kosmischen Spalte – eine Zone zwischen Ende und Anfang, zwischen Unsichtbarem und Sichtbarem.
Ein Tor zwischen den Welten. Sie erinnert an den Moment, in dem zarte Pflänzchen im Frühling aus dem Unsichtbaren kraftvoll durch die Erde brechen und einen neuen Lebenszyklus beginnen.
Tor 25, im I Ging „Unschuld“ oder „Tor des Spirits des Selbst“ genannt, liegt im G-Center oder auch "Selbst" genannt, dem Zentrum von Liebe, Orientierung und Identität. Es ist das Tor zu unserem wahren Selbst, zu unserem innersten Kern, der jenseits von Rollen, Konzepten und äußeren Zuschreibungen liegt.
Die Brücke zwischen Welten
Neptun erinnert uns daran, dass wir immer verbunden sind – mit dem Sichtbaren und dem Unsichtbaren, mit der Form und mit dem Geist. Gleichzeitig steht er aber auch für Täuschung, Illusion und Auflösung. Sein Wirken im Verborgenen kann folgendes Beispiel illustrieren:
Ein Haus stürzt (scheinbar) plötzlich ein. Es stellt sich heraus, dass schon lange davor im Unsichtbaren das Grundwasser (Neptun) die Mauern aufgelöst und geschwächt hat und so das Haus letztendlich zum Einsturz gebracht hat.
„Wer den Mut hat, loszulassen, wird entdecken, dass er nichts verliert außer seine Fesseln."
˜ Jack Kornfield
Das erleben wir derzeit auf vielen Ebenen: Geschlechtsidentitäten, kulturelle und traditionelle Zugehörigkeiten, gesellschaftliche Rollenbilder – vieles, was einst als fest, klar und sicher galt, verschwimmt. Und mit jedem Bröckeln dieser „Grundmauern“ fallen auch Masken, mit denen man sein echtes "Gesicht" verschleiert hat. Eine Demaskierung ist dann oft die "unfreiwillige" Folge von Handlungen.

Orientierungslosigkeit und Sehnsucht
Wenn das Alte zerfällt, entsteht Ungewissheit und du bewegst dich in das Unbekannte: Wer bin ich, wenn ich nicht mehr die Rollen spiele, an die ich mich gewöhnt habe? Was bleibt, wenn Masken fallen? Dieses Gefühl der Schwebe ist Teil des Prozesses – ein notwendiges Übergangsfeld zwischen dem, was war, und dem, was noch nicht ist.
Meist aus einer Unzufriedenheit heraus, lässt dich eine innere Sehnsucht auf die Suche nach einer neuen Richtung gehen oder nach deinem "wahren Selbst". Die Suche verlagern wir oft nach Außen und finden dort jedoch nicht das "wahre" sondern ein "anderes" Selbst. Man will einzigartig sein, sich von anderen unbedingt unterscheiden und verliert sich dabei doch wieder hinter einer neuen Maske/Identität.
„Nicht außerhalb, nur in dir selbst liegt das, was du suchst."
˜ Rumi
So nah und doch so fern

Nun, wo finden wir denn das "wahre Selbst"?
Wie oft hören wir "verbinde dich mit deinem Höheren Selbst". Vielleicht geht es vielen so, wie lange mir , nämlich bei der Verbindung mit dem "Höheren Selbst" automatisch den Kopf nach oben zu neigen und es "anzurufen", um nicht zu sagen, anzuflehen, doch endlich mit einer Antwort oder zumindest einem Hinweis herauszurücken.
Tor 25 im G-Center mit dem inoffiziellen Namen "Höheres Selbst" zeigt uns den wahren Ort. Das G-Center befindet sich auf der Höhe des physischen Herzens.
Zwischen Auflösung und Neubeginn - Lektionen dieser Zeit
Saturn bringt uns mit den emotionalen Konsequenzen unseres Widerstands und unserer Unreife in Kontakt. Er lehrt uns, Verantwortung für unser Innenleben zu übernehmen, statt Emotionen unreflektiert nach außen zu projizieren.
Neptun löst das auf, woran wir uns festklammern. Er konfrontiert uns mit der Leere zwischen Identitäten, mit der Unsicherheit des Nichtwissens – und führt uns dadurch näher an unser wahres Wesen.
Gemeinsam fordern sie uns auf, loszulassen, was nicht mehr zu uns gehört – seien es Muster, Masken oder Selbstbilder. Denn nur so entsteht Raum für das Neue. Wer diesen Raum nicht zulässt, kann ihn als Krise oder Kontrollverlust erleben. Wer ihn annimmt, kann ihn als Geburtsraum für eine neue Authentizität erfahren.
Vom Überleben zum Erblühen - Einladung zum bewussten Übergang
Diese Zeitqualität ist herausfordernd. Sie verlangt von uns, Verantwortung zu übernehmen und innerlich flexibel zu bleiben. Widerstand kostet Lebenskraft. Äußerer oder selbst auferlegter Druck kann sonst zu Burn-out oder zu unbedachten Handlungen, getrieben von Emotionen, führen.
Doch sie ist auch eine Einladung: zu mehr Echtheit, zu einer Rückverbindung mit unserem Herzen, zu mehr Mitgefühl, auch für uns selbst und zur Liebe zum Leben. Das Suchen im Außen darf als Spiegel dienen, um innere Gespaltenheit zu erkennen und zu heilen.
Denn letztlich stehen wir an einer Schwelle: zwischen einer alten Welt, die zerfällt, und einer neuen, die es erst zu gestalten gilt. Wir haben gewählt, in dieser Übergangszeit mitzuwirken – als bewusste Begleiter eines kollektiven Neubeginns.

Der Weg dorthin führt durch Krisen, durch das Unbekannte, durch den Verlust vertrauter Strukturen. Aber hinter dieser Phase könnte bereits eine neue Welt "warten": eine Welt, die auf Echtheit, Liebe, Mitgefühl und Selbstverantwortung aufbaut. Und eine Version unserer selbst, die nicht mehr sucht – sondern ist.
„Wir müssen bereit sein, das Leben, das wir geplant haben, hinter uns zu lassen, um das Leben führen zu können, das uns erwartet."
˜ Joseph Campbell
Anmerkungen
Ergänzend dazu passt nach wie vor dieser Beitrag, da sich Uranus noch diesen Monat in Tor 20 aufhält:
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